Rettungsmesser Spyderco Assist H1

Einleitung

Angela und Reto sind mit ihrem 13m Katamaran SHE SAN unterwegs rund um die Welt und zur Zeit im Pazifik. www.she-san.ch/LogBlog

Ausrüstung und Material sind extremsten Einflüssen ausgesetzt. Nur beste Qualität widersteht Hitze, UV Strahlung, Salz und Feuchtigkeit. Wir kämpfen täglich mit Korrosion und Abnützung durch die starke UV Strahlung in der Südsee.

 

Wir haben während 3 Monaten exklusiv für Yonc das Rettungsmesser Spyderco Assist H1 unter den harten Bedingungen auf See getestet und im Ernstfall eingesetzt.

Kurze Zusammenfassung

Wer ein leichtes handliches Rettungsmesser sucht, ist beim Spyderco Assist H1 genau richtig. Das Design ist ergonomisch, lässt sich auch in einer Stresssituation leicht öffnen und schneidet zuverlässig Seile, Sicherheitsgurte, Textilien etc.

Auch festere Materialien wie Kunststoffe Glasfasern oder Kohlefasern meistert das H1. Mit dem integrierten Glasbrecher verfügt das Messer über ein weiteres wichtiges Werkzeug um zum Beispiel Autoscheiben einfach aufzubrechen damit Hilfe geleistet werden kann.

Das H1 ist ein professionelles Werkzeug, das auch im Rettungswesen, Polizei oder Feuerwehr wirkungsvoll eingesetzt werden kann.

Somit sollte es auch in jedem Handschuhfach im Auto, zu Hause oder auch bei vielen Outdooraktivitäten wie Segeln, Klettern, Bergtouren für den Notfall greifbar sein. Wir haben die Vorzüge vom H1 schon dreimal im Erstfall bestätigt und das Messer ist stets griffbereit im Cockpit oder eingehängt an der Rettungsweste.

Griffbereit im Cockpit...
...oder an der Rettungsweste

Merkmale und Handhabung

-     9cm Klinge aus rostfreiem H1 Stahl

-     6cm Sägezahnklinge, 2.5cm Flachklinge

-     Abgerundetes Klingenende als Schutz vor Verletzungen zB beim Durchtrennen von Sicherheitsgurten

-     Integrierter Glasbrecher

-     Integrierte Signalpfeife

-     Griff aus neon gelbem Kunststoff

Das H1 kann einfach mit einer Hand mit dem Daumen auch mit dicken Handschuhen geöffnet werden. Der seitliche Gurtclip kann auf beiden Seiten angebracht werden, so dass Links- und Rechtshänder das Messer grad richtig zur Hand haben.

Aufklappmechanismus

Die Sägezahnklinge ist extrem scharf und schneidet zuverlässig Seile, Gurte Bänder etc. Der abgerundete Messerkopf schützt Patienten vor Verletzungen falls Gurte oder Kleider nahe am Körper aufgeschnitten werden müssen.

Nachteil: Die Klinge ist somit nicht geeignet zum Salami schneiden, aber dafür gibts ja das Schweizer Offiziersmesser :-)

Der neongelbe Griff ist ergonomisch, funktionell designed und liegt gut in der Hand. Der Kunststoff hat fast jeden Tag die Tropensonne abgekriegt und zeigt keine Risse oder Abnützungen.
Der integrierte Glasbrecher ist leider nach kurzer Zeit korrodiert und der Mechanismus funktioniert nicht mehr einwandfrei.
Die integrierte Signalpfeife funktioniert jeweils mit etwas üben. Ich halte diese Funktion aber eher für eine Marketingidee als ein Verkaufsargument.

Korrosionsbeständigkeit

Wir waren extrem gespannt auf die Korrosionsbeständigkeit. Normalerweise wird bei uns alles was mit Meerwasser in Berührung kommt, sorgfältig mit Süsswasser gespült um Korrosion zu vermeiden. Das H1 musste ganz zu Beginn 48h im Salzwasser ausharren und wurde danach nie gereinigt oder gespült. Ein Todesurteil für herkömmliche Materialien.

Die wichtigsten Elemente in einem rostfreien Stahl sind Chrom und Nickel. Kohlenstoff sollte möglichst wenig drin sein hat aber einen negativen Einfluss auf die Standzeit der Schärfe wenn zu wenig drin ist.

Das H1 is mit 16% Chrom, 8% Nickel und 0.15% Kohlenstoff sehr hoch legiert im Vergleich zu anderen Rettungsmessern (Spyderco Assist Standard mit VG 10 Stahl: 15.5% Chrom, 0% Nickel, 1.05% Kohlenstoff oder das Hubertus RRK Rescue Knife mit Sandvik 12C24 Stahl: 13.5% Chrom, 0% Nickel, 0.6% Kohlenstoff) Die im H1 enthaltenen 0.1% Stickstoff halte ich eher für einen Marketinggag der nicht wirklich einen Einfluss auf die Korrosion hat.

 

Die Erwartungen waren also hoch und wurden bestätigt. Das H1 zeigt keinerlei Anzeichen von Korrosion. Das heisst fast. Ein Wermutstropfen, die H1 Lasergravur auf der Klinge hat etwas Flugrost auf der "1". Hier wurde durch die Laserbeschriftung offenbar die Legierung etwas beschädigt. Etwas unschön auf einem rostfreien Messer. Ob das dem Produktmanager von Spyderco bekannt ist ;-)?

Das H1 Logo hat ein wenig Flugrost
Zum Vergleich das RRK aus dem Hause Solingen, das auch an Bord ist, welches doch einige Rostflecken im Schneidebereich aufweist.

Schnitttest

Es wurde getestet ob Seile und Gurte diverser Materialien mit einem Zug durchtrennt werden können.

Folgende Materialien wurden getestet:

-     Polypropylene Seil 19mm (Low Cost Seil das überall Anwendung findet)

-     Nylon Seil 19mm (Hochwertiger üblicher Festmacher auf Booten)

-     Dyneema 10mm (Hightechfaser extrem reiss und abriebfest)

Alle Materialien konnten problemlos mit einem Schnitt durchtrennt werden

Gekapptes Nylonseil

Einsatz im Ernstfall

Das Rettungsmesser hat sich schon 3 mal im Erstfall bewährt:

Situation 2:

Bergeleine vom Segel klemmt. Das kann schnell gefährlich werden, wenn ein Gewitter naht und die Segel schnell geborgen werden müssen. Die Bergeleine wird kurzerhand aufgeschnitten und das Segel kann geborgen werden.

 

Situation 3:

Passage durch den Panamakanal mit fast fatalen Folgen. Segelyachten werden durch den Panamakanal im Packet geschleust. das heisst, jeweils 2 oder 3 Yachten werden seitlich zusammengebunden und so geschleust. Das Befestigungsseil hat sich durch die enormen Kräfte so zusammengezogen, dass es nicht mehr gelöst werden konnte. Es drohte eine unmittelbare Kollision mit der anderen Yacht mit wahrscheinlich erheblichen Schäden im Rumpf. Zum Glück war das Messer schnell zur Hand und das Befestigungsseil konnte gekappt werden.

Überreste des gekappten Festmachers

Spezialanwendung Drückerfisch :-)

Das H1 war das einzige Messer an Bord, mit dem die 2mm starke, lederne Haut dieses Drückerfischs durchtrennt werden konnte ;-) Das Fleisch haben wir auf dem Bordgrill zubereitet und genossen.

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(1) Kommentare

  • Fisch zum Abend

    Kann man mit der Spyderco auch Haie bekämpfen und Seemonster? :)

    Super Artikel!

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