Morakniv Garberg Review

Testergebnisse des Morakniv GARBERG

Das neue Morakniv Garberg ist in der Tat ein robustes Messer für den harten Bushcraft-Einsatz. Wer hier ein weiteres leichtes Mora erwartet liegt komplett falsch. Das Garberg ist deutlich schwerer wie z.B. das bekannte Mora Companion – einerseits verursacht durch die Klingenstärke von 3,2mm, andererseits weil es sich beim Garberg um das erste Mora-Messer mit einer Full-Tang-Klinge handelt! Meine Tests zeigten, dass diese Klinge auch grobe Arbeiten problemlos meistert und dabei ihre Schärfe bestens hält. Es ist eine richtige Freude mit diesem Messer zu arbeiten – nicht zuletzt weil es enorm gut in der Hand liegt: No Hot-Spot`s, keine Blasen. Und das nach einer Woche täglichen Gebrauchs über mehrere Stunden täglich!

Der Griff
Der – wie Mora schreibt – „unzerstörbare“ und auch für grosse Hände geeignete Griff aus schwarzem Polyamid schmiegt sich förmlich in die Hand. Mehrere Stunden Bauen und Schnitzen waren wie bereits geschrieben problemlos möglich. Die Griffigkeit („Gripp“) ist auch im Regen oder bei Nässe sehr gut.
Bei feineren Arbeiten im und um das Camp empfand ich die Grifflastigkeit als sehr angenehm weil das Messer so ruhend in der Hand liegt und die Klinge präzise geführt werden kann. Für langandauernde Hack-Arbeiten hingegen bevorzuge ich klar eine Machete mit mehr Klingenlastigkeit oder eine Axt.

Die Klinge
Die Klinge besteht aus einem rostfreien Stahl und kommt rasiermesserschaf aus der Box. Verwendung findet ein Sandvik 14C28N-Stahl. Es handelt sich dabei um eine Weiterentwicklung des 13C26 welcher für die Herstellung von Rasierklingen und Fleischmesser Verwendung findet, die allerdings rostanfällig sind. Der Sandvick 14C28N-Stahl soll annähernd eine solche Schärfe erlangen können, zusätzlich aber eine deutlich bessere Rostresistenz aufweisen.

Dass diese Weiterentwicklung des Stahls funktioniert hat kann ich bestätigen: Ich erlebte in dieser Outdoor-Woche zwei intensive Regentage welche vom Morakniv Garberg mit einem Lächeln weggesteckt wurden. Am Rande erwähnt sei nur dass gleich zu Anfang an drei kleinen Stellen etwas Flug-Rost aufgetaucht ist. Dieser verschwand dann allerdings wieder von selbst, ohne Pflege oder Oel, und wurde nie mehr gesehen…

Der für das Garberg verwendete Sandvik-Stahl (Semi-Matt-Finish) ist gut nachschleifbar (Scandi-Schliff) und in der Tat sehr tolerant gegenüber Querbelastungen.

Verwendung als „Meissel“
Hier kommen wir zu einem Verwendungszweck bei welchem das Morakniv Garberg absolute Spitze ist. Der Knauf am Griffende dieses Messers liegt genau 90 Grad zur Messerspitze (T-Förmig) – das bewirkt, dass das Garberg sehr gut als Stechbeutel verwendet werden kann! Beim Lagerbau diente mir diese Funktion sehr. Keines meiner bisherigen Messer ist hierfür dermassen gut geeignet wie das Morakniv Garberg. Zusammen mit einer Säge war es mir möglich äusserst präzise Holzverbindungen herzustellen die bombenfest halten ohne dass eine zusätzliche Fixierung mit Paracord oder Schnur notwendig ist.

Einsatz als „Hobel“
Äusserst präzise Holzverbindungen waren auch deshalb herstellbar, weil das Morakniv Garberg sehr gut als kleiner Hobel verwendet werden kann. Seine Schärfe ist hier ganz besonders dienlich. Eine Hand (mit Handschuhen!) an der Spitze des Messers, die andere Hand am Griff und dann die scharfe Klinge in einem flachen Winkel über das Hobelgut ziehen oder auch stossen – beides funktinoniert super! Und so können präzise 90-Grad-Winkel herausgearbeitet werden durch welche Verbindungen enorm stabil werden.


Feuerstahl
Der scharfkantige Klingenrücken ist einerseits gut als „Raspel“ zu gebrauchen (Rinde entfernen etc.), andererseits perfekt um mit einem Feuerstahl Funken zu schlagen - und das obwohl es sich beim Garberg um ein Stainless-Steel-Messer handelt!

Feather-Sticks
Nach etwas Übung können mit dem Garberg genau so einfach Feather-Sticks hergestellt werden wie mit dem Mora Companion. Die Feather-Sticks entstehen fast wie von selbst. Ich konnte in kürzester Zeit richtig dicke „Anzünd-Büschel“ herzaubern.

Gröbere Hack-Arbeiten
Man muss sich bewusst sein: Es handelt sich hier um eine Klingenlänge von nur gerade mal 11cm! Solche Messer sind eigentlich nicht für gröbere Hack-Arbeiten gedacht. Zudem ist das Morakniv Garberg grifflastig, was sich nochmals negativ auf Hack-Arbeiten auswirkt. Doch dank der enorme Schärfe des Scandischliffs und dem Gewicht von rund 270 Gramm sind Aktionen wie Seitenäste abhacken, das Schlagen von grösseren Kerben oder das Zuspitzen von Pfählen dennoch recht gut möglich. Für solche Arbeiten empfehle ich einen Fangriemen zu verwenden damit das Messer beim „Zwei-Finger-Griff“ nicht aus der Hand gleiten kann. Safety first…! Ein Lanyard-Hole ist im Griff des Garbergs vorhanden.

Batoning
Bis zu einem Pfahldurchmesser von etwa 8cm klappt das Spalten von Hölzern problemlos. Mit einem Ausbrechen der Klinge aus dem Griff wie es bei einem „herkömmlichen“ Mora öfters vor kam muss man beim Garberg mit seiner Full-Tang-Klinge keinesfalls rechnen!

Küchenarbeiten
Meines Erachtens eignet sich das Garberg für Küchenarbeiten nur mässig. Die doch ziemlich dicke Klinge sprengte mir die feinen Karotten-Scheiben eher weg als dass man von einer Schneidleistung sprechen könnte. Auch beim Zwiebeln-Schneiden bin ich mit anderen Messern wesentlich schneller. Meinem Empfinden nach gehört das Garberg eher ins Holz wie in die Küche.

Multi-Mount-Scheide (Kunststoff)
Es handelt sich hierbei um eine „Multi-Verwendungs-Scheide“ – eine Scheide, die nicht nur am Gürtel, sondern auf verschiedene Arten sozusagen „überall“ angebracht werden kann – Sogar mit Schrauben (z.B. im Auto oder Schiff). Die mitgelieferten Ring-Klettbänder ermöglichen diverse Anbringungen am Rucksack oder an einem Pfahl (z.B. im Lager). Und hier ein Tipp: Nachdem ich mehrere Möglichkeiten ausprobiert hatte entdeckte ich, dass die unteren Gurte der Trageriemen meines Rucksacks exakt durch die im Schlitten angebrachten Schlitze passt. Seither ist mein Garberg jederzeit griffbereit – aber ohne zu stören – am linken Rucksacktragriemen montiert.

Wird das Mora Garberg am Gürtel getragen kann es sein dass das Messer wegen der Grifflastigkeit und des relativ tiefen Ansatzpunktes des Gürtelringes leicht abkippt und nicht völlig senkrecht hängt (siehe Bild). Aus dem Gürtelring herausgefallen ist es bei mir allerdings nie.

Modifikationen
Beim Schnitzen litt mein Daumen anfangs ziemlich, weil das Morakniv Garberg einen sehr scharfkantigen Messerrücken aufweist. Dieser ist hervorragend geeignet um mit einem Feuerstahl Funken zu schlagen. Doch um gut schnitzen zu können, empfehle ich die Kanten des Messerrückens im Bereich des Schriftzuges „Morakniv“ mit einer Eisenfeile abzurunden.

 

Ebenso sollten die Kanten des Knaufs gebrochen werden, welche sonst den Lederriemen der das Messer in der Scheide hält durchtrennen! (Anmerkung: Wie sich dieser Punkt in Verwendung mit der erhältlichen Lederscheide verhält weiss ich nicht. Ich testete nur die Version mit der äusserst durchdacht gestalteten Multi-Mount-Scheide.)

Fazit
Das Morakniv Garberg ist ein äusserst robuster Begleiter auf den man sich absolut verlassen kann! Mit gut 100 Franken ist es zwar deutlich teurer wie andere Mora`s – es handelt sich dabei aber auch um eine ganz andere Liga von Messer. Das Garberg ist diesen Preis wert! Ich gebe eine klare Kaufempfehlung meinerseits. Wer ein gutes Outdoor-Messer sucht, sollte sich das Morakniv Garberg sehr genau anschauen. Zudem möchte ich darauf hinweisen, dass das Morakniv Garberg mit seiner Klingenlänge von 11 cm auch in Deutschland getragen werden darf – ein Punkt der wichtig wird für alle diejenigen, die auch mal den Schwarzwald durchstreifen möchten…

Eigene Messungen

  • Klingenlänge 10,8 cm
  • Grifflänge mit Knauf 12,1 cm
  • Gesamtlänge 22,9 cm
  • Klingenstärke 3,2mm
  • Gewicht des Messers 168 g
  • Gewicht mit Multimount-Scheide 248g 
  • Griffmaterial Polyamid
  • Stahl Sandvik 14C28N - ein
  • kaltgewalzter, rostfreier Spezialstahl 
  • Finish der Klinge „Silber-rauchig“ – leicht mattiert
  • Hinweis: Das Mora-Garberg ist sowohl für Rechtshänder als auch für Linkshänder geeignet

 

Beste Grüsse,

Daniel

Morakniv

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(1) Kommentare

  • Informatives Review

    Bravo!! Hervorragendes Review hätte ich nicht schon eine ansichtliche Messersammlung würde ich es sofort kaufen.

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