Langzeit-Review ESEE 4 Messer mit Zytel Scheide

Hallo! Mein Name ist Roman und ich arbeite seit einem Monat bei Yonc.ch als Produkt-Experte. Dies ist mein erstes Review, viel Spass beim Lesen!

Vor über einem Jahr habe ich mir das ESEE 4 Outdoormesser zusammen mit einer Scheide aus Zytel-Kunststoff bei Yonc.ch gekauft und seither intensiv benutzt. In diesem Langzeit-Review möchte ich euch über meine Erfahrungen im Umgang mit dem Messer und dem Zubehör berichten.

 

 

 

Zu Beginn einige Randdaten zum Messer selbst:

Beim ESEE 4 handelt es sich um ein Survival- und Outdoormesser mit fixer Klinge. Die Gesamtlänge des Messers beträgt 23 cm, die Klinge selbst misst 11 cm und ist ab Werk auf einer Länge von 10.5 cm im Flachschliff (Full Flat Grind) geschliffen. Als Klingenmaterial kommt 1095 Werkzeugstahl zum Einsatz, ein nicht rostfreier Stahl, der zwecks Korrosionsschutz mit einer sehr robusten, schwarzen Lackierung beschichtet ist. Die Stahlhärte beträgt 56-57 HRC (Rockwell). Die Griffschalen sind aus Micarta gearbeitet und selbstverständlich geht der Erl (Tang) des Messers durch den gesamten Griff, es handelt sich beim ESEE 4 Messer also um ein sog. «Full Tang-Messer». Mit 227 Gramm ist das Messer für seine Grösse relativ leicht.

Die auf dem Titelbild zu sehende, an der Scheide befestigte Tasche ist eigentlich für die Verwendung mit der Scheide des grösseren ESEE 5 Messers konzipiert worden, lies sich aber mittels den mitgelieferten Schrauben und etwas Paracord-Schnur problemlos auf der Scheide des ESEE 4 befestigen, wie man auf den folgenden beiden Bildern erkennen kann:

Die Schneide kommt ab Werk in einem sog. «Full Flat Grind»; das bedeutet, dass der Stahl in der Schneide des Messers grade und keilförmig zusammenläuft. Während viele Nutzer mit diesem Anschliff beim Bearbeiten von Holz gut zurechtkommen, hatte ich damit Mühe. Darum habe ich das Messer schon einen Tag nachdem ich es ausgepackt hatte nach meinen Bedürfnissen umgeschliffen. Das Messer hat nun einen sog. «Konvexen Anschliff». Das bedeutet, dass der Stahl in der Schneide nicht mehr grade und keilförmig, sondern konisch zusammenläuft, ähnlich wie die Spitze einer modernen Pistolenkugel oder ein Spitzbogenfenster in der Kirche. Welcher Anschliff – grade oder konvex – nun besser ist, muss jeder für sich entscheiden und Ausführungen dazu würden den Rahmen dieses Reviews sprengen. Für die folgenden Ausführungen möge der Leser oder die Leserin jedoch bitte im Hinterkopf behalten, dass das getestete Messer nicht mehr über den werkseitigen Anschliff verfügt.

 

 

 

 

 

Wie hat sich das Messer nun im Langzeittest geschlagen? Die kurze Antwort lautet: Sehr gut.

Aufgrund der Tatsache, dass ein rostender Stahl verwendet wurde, lässt sich das ESEE 4 extrem scharf schleifen. (Rostfreie Stähle sind generell nicht ganz so scharf anschleifbar wie rostende.) Der mit 56-57 HRC eher weiche Stahl des ESEE 4 ist im Feld sehr gut nachschärfbar, ein Umstand, den ich bei meinen Outdoormessern äusserst schätze. Ein harter Stahl bleibt wohl länger scharf, ist aber auch deutlich schwerer nachzuschärfen. Während manche Anwender härtere Stähle für ihre Outdoor- und Survivalmesser bevorzugen bin ich der Ansicht, dass ein etwas weicherer Stahl neben der leichten Schärfbarkeit zudem Vorteile bei sehr harten Arbeiten mit dem Messer bringt: Hebel- oder Hackarbeiten hält eine weichere Klinge besser stand, weil sie flexibler ist. Natürlich hält sich die Schärfe nicht ganz so lange wie bei einem Messer mit einer Härte von über 60 HRC, dafür sind aber Ausbrüche in der Klinge eine absolute Seltenheit, so auch beim ESEE 4: Trotz sehr harten – um nicht zu sagen missbräuchlichen – Arbeiten hatte ich keinen einzigen Klingenausbruch in meinem ESEE 4. Und das, obwohl ich einmal beim Hacken von Holz einen Stein, der im Holz eingewachsen war, touchierte. Lediglich eine ganz kleine und leichte Verformung zur Seite liess sich an der Schneide feststellen, welche schnell mit Schleifstein und Schleifleinen behoben war. Wer sich an die Gesamtlänge des Messers (23 cm) erinnert, wird sich jetzt vielleicht fragen, ob man mit diesem Messer wirklich vernünftig hacken kann. Die Antwort auf diese Frage ist, dass dies tatsächlich geht! Natürlich ist das ESEE 4 nicht die erste Wahl für Hackarbeiten. Man kann aber durchaus armdicke Äste in angemessener Zeit durchtrennen, wenn die richtige Technik angewendet wird. (Wer ein Messer zum Holzhacken sucht, sollte mal einen Blick auf das ESEE 6 oder die ESEE Junglas Machete werfen…)

Was die Korrosionsresistenz angeht, vermag das ESEE 4 ebenfalls zu überzeugen: Die wirklich ausgesprochen robuste, schwarze Beschichtung des Messers hält Rost hervorragend ab. Dennoch empfiehlt es sich, das Messer nach Gebrauch trockenzuwischen, insbesondere an den Stellen, an denen keine Beschichtung aufgebracht ist bzw. sich bereits gelöst hat. Ich persönlich trage gerne etwas Öl auf, falls das Messer längere Zeit der Feuchtigkeit ausgesetzt war. Dies ist aber kein Muss, solange man das Messer nicht nass wegsteckt und längere Zeit liegen lässt.

Das ESEE 4 glänzt auch punkto Handlichkeit: Selten lag mir ein Messer so gut in der Hand! Ich habe Handschuhgrösse XL und daher mit meinen eher grossen Händen oft die Erfahrung gemacht, dass Messergriffe für mich zu klein sind. Nicht so mit dem ESEE 4. Dieses Messer passt in meine Hand wie angegossen. Wobei auch Menschen mit kleineren Händen mit dem Messer gut umgehen können, so zumindest lauten die Rückmeldungen aus meinem Freundeskreis. Dank der in der Klinge eingearbeiteten Fingermulde lassen sich auch feinste Arbeiten hervorragend bewerkstelligen. Obwohl ich eher breite Finger habe, muss ich mir aufgrund der grosszügig gearbeiteten Mulde keine Sorgen machen, dass ich mich schneiden könnte:

Die Mulde für den Finger scheint auf den ersten Blick zu klein zu sein...
...Doch auch bei intensivem Druck mit dem Zeigefinger in die Mulde ist ein verletzungsfreies und komfortables Arbeiten möglich!

 

Kritik gibt es nur in einem Punkt: Das Messer funktioniert nicht mit einem Feuerstahl. Aufgrund der Beschichtung können mit einem Feuerstahl keine Funken erzeugt werden, ein Umstand, der jedoch nicht verwunderlich ist: Die Mehrheit der beschichteten Messer kann in Kombination mit einem Feuerstahl keine Funken erzeugen. Wer unbedingt mit einem Feuerstahl und mit diesem Messer Funken erzeugen möchte, könnte auf dem Rücken der Klinge unter der Verwendung von Farbentferner eine Stelle blanken Stahls freilegen. (Zu dieser Thematik finden sich Youtube-Videos; die Lackierung lässt sich tatsächlich mittels aggressiver Farbentfernungsmittel entfernen; davon rate ich aber wegen Korrosionsgefahr eher ab.)

Was die Zytel-Scheide angeht, so kann ich nur Positives vermelden. Die Scheide hält das ESEE 4 auch nach einem Jahr noch tadellos fest und es wackelt nichts. Die Nylon-Tasche hat mich ebenfalls überzeugt, kein Ausfransen oder gar lockere Fäden.  In der Tasche findet übrigens perfekt der ESEE Pocket Survial Behälter Platz oder auch ein Fällkniven DC 4 Schleifstein passt neben anderen Kleinigkeiten gut hinein. (In die Dose selbst passt nur der DC 3 Schleifstein von Fällkniven!)

Fazit:

Das ESEE 4 ist ein grossartiges Messer ohne Schnickschnack für den harten Gebrauch, welches auch deutlich teureren Messern die Stirn bieten kann. Wer ein 100% zuverlässiges, handliches und nicht allzu teures Messer sucht, sollte sich das ESEE 4 ernsthaft überlegen! Eine grosse Auswahl an Zubehör sowie eine lebenslange Garantie des Herstellers machen dieses Messer zu einem grossartigen Werkzeug.

Das könnte Dich auch interessieren

(0) Kommentare

Bitte geben Sie die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.