Der Pfefferspray-Experte

Immer mehr unserer Kunden kaufen bei uns Pfefferspray ein. Das Sicherheitsbedürfnis bei der Bevölkerung steigt gemäss diversen Statistiken. Uns von Yonc.ch hat interessiert, welche effektiven Möglichkeiten Privatpersonen im öffentlichen Raum haben, um sich mit einem Pfefferspray gegen gewaltbereite Personen zu schützen.

Dafür konnten wir ein Interview mit dem Kassensturz-Experten für Pfefferspray und Ausbilder für Sicherheitspersonal Herrn Andy Taubert führen.

 

 

 

Guten Tag Andy, vielen Dank, dass Du uns zum Thema Selbstschutz mit Pfefferspray einige Fragen beantworten möchtest. Bevor wir aber loslegen, stelle dich doch bitte kurz vor!

Hi Roman! Gerne! Mein Name ist Andy Taubert, ich bin seit 29 Jahren im privaten Sicherheitsbereich hauptberuflich tätig, vor allem als Ausbilder. In meiner Schule für Sicherheitsausbildungen, der BPS-Academy in Dietlikon, bilde ich Private und Profis in Dingen wie Selbstverteidigung, Personenschutz und Objektschutz aus.

 

 

Weshalb bist Du grade Ausbilder im Sicherheitsbereich geworden?

Ich hatte während meiner inzwischen bald 30 jährigen Tätigkeit im Bereich Sicherheit ein Schlüsselerlebnis. Mein Weg kreuzte sich mit zwei extrem gewaltbereiten Personen, welche mir bewusst machten, dass wer sich nicht selbst Eigenschaften aneignet um sich zu verteidigen, immer ein Opfer bleiben wird. Und niemand in diesem Moment da ist um zu helfen, ausser man selbst.

Was hast Du daraufhin unternommen?

Ich habe etliche Kurse im Sicherheitsbereich besucht in alle möglichen Richtungen.Und desto mehr ich lernen durfte, desto mehr realisierte ich, dass ich vorher völlig naiv und unprofessionell arbeitete. (Anmerkung der Redaktion: Andys Lebenslauf und eine lange Liste mit all seinen Ausbildungen können hier eingesehen werden: http://www.bps-academy.ch/images/_pdf/Ausbildungslevel_Andy_Taubert.pdf)

Was kannst Du uns als absoluter Profi zur Verteidigung als Privatperson im täglichen Leben empfehlen? Du bist ja ein Fan von Pfefferspray, korrekt?

Nach wirklich sehr vielen Ausbildungen und langer Auseinandersetzung mit dem Thema “Selbstverteidigung für Jedermann/Frau”, würde ich momentan, um eine reale Chance bei körperlich überlegenen Personen zu haben, einen Reizstoffspray empfehlen. Dieser ist in der Schweiz solange er OC oder PAVA als Inhaltsstoff hat und die Volljährigkeit des Anwenders erreicht ist, frei verfüg- und tragbar. Natürlich sind Selbstverteidigungstechniken auch sehr wirksam, aber diese wollen geübt sein, und das dauert. Gerade, wenn man sich gegen mehrere, oder körperlich überlegene Gegner verteidigen will, wird es alleine mit Kampfsport etc. schwer. Den Umgang mit einem Pfefferspray jedoch kann fast jede Person schnell erlernen.

Du bist ja vielfach zertifizierter Ausbilder für den Umgang mit Pfeffersprays. Was sind Deine “Quick Tips” für die Anwendung eines Sprays in einer Verteidigungssituation?

Als Erstes muss man sich fragen, “Will ich den Spray wirklich einsetzen?” Wenn ja, dann aber richtig und nicht nur “ein bisschen”. Entschlossenheit ist extrem wichtig. Sprayt man nur “ein paar Tröpfchen”, weil man sich nicht sicher ist, ob man sprayen soll, dann kann das den Angreifer nur unnötig reizen, anstatt ihn kampfunfähig zu machen. Und das wäre fatal. Also wenn, dann richtig und so viel Reizstoff wie nur möglich auf das Gesicht des Angreifers sprayen.

Sprays gehören übrigens nicht in einen Rucksack/Handtasche etc.!! Bis man den Spray nämlich in der (meistens dunklen und unübersichtlichen) Tasche hervorgekramt und in der Hand und einsatzbereit hat, ist der Angreifer schon 10x über einen hergefallen. Darum als nächster Tipp von mir: Spray auf dem Nachhauseweg/der dunklen Treppe/einer unguten Situation immer sofort diskret in die Hand nehmen; zum Beispiel hinter dem Rücken. Nur dann hat man als Verteidiger auch eine reelle Chance. Und anstatt den Spray im Rucksack oder der Handtasche zu vergraben, diesen lieber in der Hosen- oder Jackentasche unterbringen. Ein Gürtelclip, den manche Sprays haben, ist noch besser geeignet, da man am Gürtel schnell Zugriff auf den Spray hat.

Wie kann man denn wissen, wann man sprayen soll und wann nicht? Und wann muss ich den Spray in die Hand nehmen?

Das ist eine sehr schwierige Frage, die am Ende jeder für sich beantworten muss. Hier antworte ich immer, dass man “Gesunden Menschenverstand” walten lassen sollte. Wenn man sich unwohl fühlt, z.B. beobachtet, verfolgt oder sonst wie bedrängt, sollte man ohne zu zögern den Spray diskret in die Hand nehmen. Wir alle kennen es wahrscheinlich: Man ist alleine spät nachts unterwegs und es kommt einem schon von weitem eine unangenehm wirkende Person entgegen. Hier kann (und sollte) man den Spray durchaus schon diskret bereit machen, also in der Hand halten. Das “diskret” ist dabei wichtig; der potentielle Angreifer soll ja nicht merken, dass man zur Verteidigung bereit ist oder gar provoziert werden. Und in vielen Fällen passiert ja auch gar nichts.

Sollte es zum Einsatz des Sprays kommen, gilt generell: Sobald ein körperlicher Angriff stattfindet oder unmittelbar bevorsteht, dann ist es auf jeden Fall gerechtfertigt, den Spray einzusetzen; sowohl aus rechtlicher wie auch aus “taktischer Sicht”.

Das bringt mich übrigens auch gleich zu meinem zweiten, sehr sehr wichtigen Tipp: Die rechtlichen Aspekte. Habe ich nämlich eine Person mit Spray abgewehrt, so gilt das rechtlich gesehen zwar nur als eine einfache Tätlichkeit. Jedoch kann es der verteidigenden Person vor Gericht zu Ungunsten ausgelegt werden, wenn sie sich einfach nach dem Sprayeinsatz entfernt, ohne zumindest die Polizei alarmiert zu haben. Das Thema unterlassene Nothilfe kommt hier ins Spiel. Darum gilt: “Sprayen, in Sicherheit bringen, und sobald möglich die Behörden über den Vorfall informieren.” Dann ist man auf der sicheren Seite. Es sieht ja auch seltsam aus, wenn man angibt einen gefährlichen Angriff abgewehrt zu haben, aber es dann nicht für nötig befand, die Polizei angerufen zu haben. Das schmälert in einem möglichen Gerichtsverfahren die eigene Glaubwürdigkeit massiv.

Abschliessend noch ein paar taktische Aspekte zur Handhabung. Wenn man einen Angreifer mit Spray erwischt hat, bleibt dieser in vielen Fällen nicht einfach stehen! Das wird in Filmen zwar oft so dargestellt; der Angreifer klappt zusammen und reibt sich vor Schmerz schreiend die Augen. Das stimmt aber leider oft nicht. Was oft passiert, ist Folgendes: Der gesprayte und dadurch vorübergehend erblindete Aggressor rennt von Schmerz und Verwirrung getrieben unkontrolliert auf den Verteidiger los und kann diesen im schlimmsten Falle umrennen. Dann liegen eventuell beide auf dem Boden und eine ungute Situation kann entstehen. Darum ist sehr wichtig: Sprayen und sofort  im 90 Grad Winkel ausweichen! Mehrere Ausfallschritte zur Seite sind am besten. Dann, falls der Angreifer erneut zum Angriff ansetzt, erneut sprayen und so schnell wie möglich die Flucht antreten. Und wie gesagt baldmöglichst die Behörden alarmieren.

Vielen Dank für diese Tipps! Man muss doch bei einem Pfefferspray aber am Schluss einfach nur einen Knopf drücken. Macht es überhaupt einen Sinn, sich am Pfefferspray/Reizstoffsprühgerät ausbilden zu lassen?

*lacht* Was soll ich sagen, ich möchte natürlich meine Kurse verkaufen. Einen Spray überhaupt nur zu haben und zu tragen, ist aber auf jeden Fall schon mal sehr viel wert! Ich rate einfach jedem, die Anwendung zumindest zu Hause mal zu üben! Ein Kurs wäre natürlich optimal, aber ich verstehe, dass das nicht jeder kann und auch will. Auf jeden Fall sollte man sich mit dem Spray seiner Wahl gut vertraut machen!

Ich habe diesbezüglich gesehen, dass ihr in eurem Shop bei Yonc.ch ja Übungssprays mit Wasser für den RSG6 Pfefferspray anbietet. (Anmerkung der Redaktion: Siehe unsere Produktlinks oben.) Ein Training zuhause, z.B. mit einem Kollegen oder einer Kollegin, halte ich für sehr sinnvoll. Damit man mal gesehen hat, wie die Reichweite des Sprays ist, ob man eine sich bewegende Person treffen kann und damit man allfällige Hemmungen abbauen kann. Es kommt zwar nur Wasser mit etwas Alkohol aus dem Spray, aber zur Sicherheit wird empfohlen, eine Schutzbrille zu tragen. Dies möchte ich an dieser Stelle anmerken.

Wer sich auch nach dem Üben zuhause nicht sicher ist, ob er sich die Anwendung wirklich zutraut, sollte sich einen Kurs bei mir überlegen. Denn bei mir lernt man nicht nur einfach “sprayen”, sondern auch sehr viel zu Körpersprache und zum eigenen Auftreten. In einem seriösen Kurs werden ausserdem neben besonderen Verteidigungstechniken auch die genannten rechtlichen Fragen besprochen, sowie weitere taktische Kenntnisse, welche entscheidend sind.

Es steckt also mehr dahinter bei der Verteidigung mit dem Spray, ich sehe schon. Wie lange geht eine solche Reizstoffspray- Ausbildung bei Dir?

Einen Tag. Ein Tag, der investiert wird, um das eigene Leben zu schützen und der damit ein unendlich wertvoller, interessanter und aufschlussreicher Tag sein wird.

  

Welche Sprays würdest Du uns denn nun empfehlen? Was hälst du von den Sprays in unserem Sortiment? Sei bitte ehrlich, wir wollen uns immer verbessern!

Ich bin unter anderem Kassensturz-Experte für Pfefferspray-Tests und über 12 Jahre als Hauptausbildner für Reizstoffsprays im privaten Bereich in der Schweiz tätig. Gemäss meiner daraus resultierenden Erfahrung ist es meiner Meinung nach extrem wichtig, ein qualitativ hochwertiges Spray zu verwenden, welches auch wirklich zu den eigenen Bedürfnissen passt. Das Spray muss also taktisch geeignet sein. Es bringt zum Beispiel nichts, einen 1-Liter Spray zu kaufen, den man dann nie dabei hat im Ausgang. So ein Spray ist sehr gut für die Verteidigung zuhause geeignet, aber nicht für unterwegs. Ebenso halte ich nichts von diesen billigen “Mini-Sprays” (die ihr glücklicherweise nicht habt) welche man für ein Butterbrot bekommt. Diese Sprays haben nicht nur (viel) zu wenig Reizstoff, als dass eine ungeübte Person damit sicher treffen könnte, sie sind auch sehr unzuverlässig. Und ein unzuverlässiges Spray in einer Notsituation, wo unter Umständen das eigene Leben auf dem Spiel steht oder das eines geliebten Menschen, will glaube ich niemand. Also nicht am falschen Ende sparen! Ich will hier keine Markennamen nennen, aber ich habe solche schlechten Sprays wie gesagt bei euch erfreulicherweise nicht gesehen. Was mich auch freut bei euren Sprays ist, dass sie alle über eine Sicherung verfügen, meistens (bis auf diesen Bärenspray) eine Daumenklappe. Das ist die beste Form der Sicherung; man kann sofort sprayen, aber ein versehentliches Auslösen ist ausgeschlossen.

Als Faustregel gilt: “Nimm einen so grossen Spray wie möglich mit, aber nicht so gross, dass du ihn aus Faulheit oder anderen Gründen nicht ständig dabei haben willst.” Die genannten “Minisprays” passen vielleicht in jede Handtasche oder Beutel (wo der Spray ja wie gesagt ja sowieso nichts zu suchen hat!), aber dafür kommt fast nix raus aus diesen Sprays. Und wer nicht einigermassen geübt ist im Umgang mit einem Spray, wird mehr als ein paar Sprühstösse brauchen um den Angreifer im Gesicht zu erwischen. Also lieber einen grösseren Spray mitnehmen, auch wenn der nicht so “stylish”aussieht.

 

Lieber Andy, vielen Dank für dieses interessante und lehrreiche Interview!

Ein paar Worte zum Schluss von Andy Taubert zu seinen Kursen

Gerne gebe ich mein Wissen und meine Erfahrungen seit inzwischen über 19 jähriger Tätigkeit als Ausbildner im Sicherheitsbereich an Privatpersonen zum Selbstschutz weiter. Sehr gerne dürfen Sie bei mir dafür einen Kurs besuchen.

Unter www.bps-academy.com finden Sie alle Kurse und Ausbildungen, die ich anbiete.    

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